Dienstag, 13. Mai 2014

Nur 2 Wochen - ein Rückblick





Eine Zusammenfassung der anderen Art möchte ich heute hier zeigen, denn es geht weniger um das, was ich in den vergangenen 14 Tagen erlebt habe, sondern eher um das Leben selbst.
Schon öfter habe ich hier im Blog von einem Amselpaar berichtet, das seit vergangenem Jahr auf unserem Balkon mehrfach gebrütet und seine Kleinen aufgezogen hat.
In diesem Frühling sind unsere lieben geflügelten Mitbewohner schon wieder beim 2."Durchgang".
Ein ums andere Mal war ich aufs Neue fasziniert davon, wie schnell die kleinen Amseln sich entwickeln und davon, dass sie bereits nach 2 Wochen das Nest verlassen.
Jeden Tag habe ich dieses Mal ein Foto von den Pieplingen gemacht und möchte heut gern - sozusagen die komplette Entwicklungsperiode zeigen:

28. April/ Montag - noch herrscht Ruhe...

29.4./ Dienstag - auf einen Schlag sind alle Küken geschlüpft. Klitzeklein sind sie...

30.4./ Mittwoch - noch blind und ziemlich nackt, aber schon gewachsen...

1.5./ Donnerstag der Flaum wird deutlich mehr und die 5 sind immer hungrig ;o) ...

2.5./ Freitag - die Flügel beginnen sich zu entwickeln ...

3.5./ Samstag - ziemlich struppig sehen die Pieplinge heut aus...

4.5./ Sonntag -  die Federkiele prägen sich in der kurzen Zeit immer mehr aus...

5.5./ Montag - die Augen haben sich geöffnet...

6.5./ Dienstag - an den Kielen der Flügel bilden sich Federn...

7.5./ Mittwoch - sie sind schon wirklich munter nicht mehr still. Nein, die Mama ist nicht genervt. Die guckt immer so ;o)

8.5./ Donnerstag - Immer. Sag ich doch. Das Nest ist inzwischen randvoll. Man hockt übereinander, für Mama ist kaum noch Platz...

9.5./ Freitag - unsere nackigen Pieplinge sind zu kleinen Federbällchen geworden...

10.5./ Samstag - Neugierige Blicke über den "Tellerrand". Man kann es spüren: Der Aufbruch naht.

11.5./ Sonntag - Der letzte Tag. Zeit, das Nest zu verlassen.
Ihre innere Uhr geht pünktlich. Unbestechlich. Kein Tag zu früh, kein Tag zu spät.
Als ich mittags nach dem Nest schaue, haben sich bereits 2 der 5 davon geamselt.
Auf dem Weg zum Spaziergang verlassen wir nach dem Mittagessen das Haus und entdecken im Blutjohannisbeerbusch direkt neben dem Hauseingang eines der 2 im Vorgarten:


Pieeep!

Kaffee am Nachmittag. Es ist eigentlich viel zu kalt, um draußen zu sitzen. Und vor allem zu windig. Warmer Kaffee nutzt da so viel auch nicht... Ich harre trotzdem mit der Kamera aus. So spannend, zu schauen!




Oben auf dem Sims turnen 3 Pieplinge. Strecken, hopsen, Federn putzen, Flügelchen schlagen. Das übt.








Zwischendurch bringen immer wieder die Eltern Futter und fliegen nach unten davon. Verfolgt von 3 aufmerksamen Augenpaaren.
Der nächste kleine Piepling schafft (im wahresten Sinne des Wortes) den Absprung. Weg ist er.
Schwupps, da sind es nur noch 2:




Lange bleiben sie so dort sitzen. Ich nicht mehr. Es ist wirklich eisig auf meinem Freiluftsitz. Von innen beobachte ich durch die Scheibe, wie schließlich eines der Kleinen zu flattern beginnt. Es landet direkt unter dem Nest auf meiner Birke... drückt sich gegen die Balkonwand.




Dort hockt es nun. Die Eltern füttern ihr letztes Amselkind, oben im Nest. 
Der Kleine in der Birke piepst jämmerlich - und wird ignoriert.
Es ist so stürmisch. Die ganze Birke wackelt, dasVögelchen weht mit dem Ast hin und her. Es sitzt da völlig unbeweglich.
Wie lange können kleine Amseln ohne Futter auskommen? Die Eltern machen keine Anstalten, sich zu nähern.
Ein Knall. 
Das 5. Amselkind ist aus dem Nest gesprungen und gegen die große Wohnzimmerscheibe geprallt :-(
Es hopst länger immer wieder quer über den Balkon durch die Blumenkübel. Gut, dass ich den Balkonteich rechtzeitig abgedeckt hatte... 
 
Weil es inzwischen dämmerig ist, sind die Fotos nicht mehr so gut gelungen. Natürlich habe ich ohne Blitz fotografiert.
Schließlich sitzt es am Geländer am Rand.




Erster Stock, ohne Netz und Fallschirm nach unten??? 
- Nee, nee. Die kleine Amsel will nicht. Der Piepling  marschiert die Schräge zur Balkonbrüstung empor, kauert sich auf die Kante vor dem Blumenkasten und dort bleibt er. 




2 kleine Amseln auf meinem Balkon. Nicht mehr im Nest, nicht mehr gefüttert, sitzen sie im kalten Wind, in der Finsternis. Was tun? Gummihandschuheanziehen und sie nach unten tragen? Oder wenigstens für die Nacht wieder zurück in das schützende Nest setzen?
Geh hinaus, sagt der Liebste, vielleicht erschrecken sie (na danke!) und springen dann. 
Ich bin draußen. Mein Gesicht ist 20cm von den Vögelchen entfernt. Sie bleiben sitzen. Man könnte sie wirklich greifen...
Wir gehen zu Bett. Ich liege wach. Werde ich morgen früh 2 tote kleine Pieplinge auf meinem Balkon finden?
Vielleicht. So ist die Natur, sagt der Liebste. Manchmal ist es grausam. Ach, ich schlafe schlecht.

12.5./ Montag. Fünf Uhr dreißig. Der Wecker klingelt. Gähn. Sonnenlicht.
Ich mag nicht aufstehen. Ich mag nicht auf den Balkon schauen und kann es doch kaum erwarten. Was erwartet mich? Schon als ich ins Wohnzimmer komme entdecke ich durch die Scheibe:


Es sitzt direkt neben dem Blumenstecker, den mir M. vergangenes Jahr zum Geburtstag geschenkt hat ;o) Wie gut, wenn man einen Freund hat...

Und Nummer 2? - Ist weg. Die Amseleltern kommen sich ein Rosinenfrühstück abholen, als sie mich draußen sehen und verschwinden unten in verschiedenen Gebüschen, aus denen man es piepsen hört.
Der kleine Nachzügler schaut hinterher. Und plötzlich... breitet er die Flügelchen aus - und flattert los.
Gegenüber dem Balkon landet er im Baum, als hätte er nie etwas anderes getan.
Fassungslos bin ich bei jeder neuen Brut, dass sie, die immer nur im Nest zu sitzen und den Schnabel aufzusperren brauchen, schlagartig laufen und fliegen können.
Als ich zur Arbeit gehe, sitzt der Piepling noch immer - getarnt und dick aufgeplustert - gegenüber im Baum:




Leer.

Auf dem Balkon herrscht Stille. Ungewohnt. Etwas traurig, aber auch schön. Die Eltern haben viel geschafft.
Und keine Bange, ich sorge noch ein wenig weiter für Haferflocken- und Rosinchennachschub  ;o)


Bsssssttt, da kommt der Futterexpress angesaust...
 

 Liebe Pieplinge, lebt wohl!


Kommentare:

  1. Das ist das Schönste, was ich in der letzten Zeit im Bloggerland gelesen habe, diese Zusammenfassung.
    Ich habe ja die Entwicklung bei dir laufend verfolgt, aber so als durchgängiger Post ist das besonders lesens und anschauens-wert !
    Hab recht vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße von einer begeisterten
    Jutta

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Jutta,
      das ist ein tolles Kompliment.
      Herzlichen Dank!

      Löschen
  2. Schön, wenn man das so beobachten kann.
    Vor zwei oder drei Jahren hat ein Specht ein Loch in die Dämmumg der Hauses gepickt und jetzt wohnt Familie Star dort. Die können singen, einfach irre...
    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stare singen? Echt?
      Ich höre sie immer nur so "keckern"
      Überwintern tun die aber nicht in Deutschland, oder?
      Schade, dass der Specht nicht bei euch eingezogen ist...

      Löschen
  3. Oooooohhhh, ist das schön. Und zauberhaft. Und wunderbar.
    Vielen lieben Dank für die Dokumentation des ersten Amsellebensabschnittes.
    Übrigens sind die Amseln an Arndts zehntem Geburtstag geschlüpft!
    Viele liebe Grüße, Dörthe

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Welch wunderbares Geburtstagsgeschenk.
      Auch, wenn man das mit 10 womöglich noch nicht zu würdigen weiß?!

      Löschen
  4. Danke Dir fürs zeigen Deiner Amselfamilie.
    herzlich Judika

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sehr gern.
      Ich hab SOOOviel Freude daran, dass ich gar nicht anders kann, als sie zu teilen!

      Löschen
  5. Herrliche Aufnahmen, wunderschön beschrieben, es ist etwas ganz besonderes, das Leben der Natur so nah miterleben zu dürfen. Vielen Dank, Claudia, dass du uns daran hast teilhaben lassen.
    Gerade brachte unser Mädchen eine halbe, blau getupfte Eierschale herein, "Ich habe etwas gefunden, über das du dich freuen wirst!" Offensichtlich sind die Amseln auch schon wieder fleißig...
    Lieben Gruß,
    Birgit

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich versuche immer, heraus zu finden, wo die Eierschalen hier abbleiben.
      Hühner picken ihre Eierschalen oft selbst auf, soviel ich weiß.
      Ob Amseln das auch machen?
      Hier hab ich jedenfalls nie was gefunden.

      Löschen
  6. Ist ja fast nicht auszuhalten, deine schönen Foto´s von der Familie Amsel so komprimiert zu sehen! Wenn das Frau Amselgesang wüsste.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sie weiß es, liebe Roswitha, siehst du?!
      Und ich frag mich, was du erwartet hast, das sie tun würde?
      Fröhlich zwitschern und im Kreis tanzen?
      Wär ja witzig, wenn sie das getan hätte (und schade, dass wir dann nicht daran Anteil hatten ;o)

      Löschen
  7. Frau Amselgesang hat es eben auch gelesen und angeschaut und findet es genauso schön und spannend wie ihr Libellen-Erlebnis von neulich. Sicher ist es noch um einiges unterhaltsamer und auch teilweise dramatischer, die Amseljungen zu beobachten, weil sie einem ja emotional irgendwie näher sind als noch so schöne Insekten. Eine richtig herzerwärmende Bloggeschichte ist das, alle Achtung für deine Geduld beim Beobachten und Fotografieren!
    Amselgrüße von
    Brigitte

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Keine Geduld.
      Man kann gar nicht anders, als immerzu ganz fasziniert zu schauen und staunend innezuhalten.
      Hach. Und ja, es geht mir emotional wirklich nahe. Das tut nicht immer gut, denn es gab auch schon sehr bedauerliche und traurige Momente.

      Löschen
  8. Warum ist mir diese wunderbare Post gestern nicht angezeigt worden...
    Der ist wirklich was Besonderes, liest sich spannend und ergreifend.
    LG Judy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, manchmal ist das mit Blogger komisch.
      Ich wundere mich auch oft, wieso manche Posts nicht oder später angezeigt werden.

      Löschen
  9. Herrlich ! Soooo schön ! Danke !
    Liebe Grüße,
    Birgit

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jaaa - und die Eltern kommen mich immer besuchen, sobald ich die Balkontüre öffne.

      Löschen
  10. Und ruckzuck ist das Nest leer.Es ist wie bei unseren Kindern,die werden auch irgendwann flügge.
    LG
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, solche Gedanken habe ich auch.
      "Empty- Nest- Syndrom" nennt man das dann.
      Hach. Seuftz.

      Löschen
  11. Liebe Claudia,
    ich muss mich Juttas Kommentar anschließen, das ist das Schönste, was ich in letzter Zeit gelesen habe, eine wunderbare Zusammenfassung mit vielen wunderschönen Eindrücken...
    Einen ganz lieben Gruß und einen schönen Abend,
    Bianca

    AntwortenLöschen
  12. Hallo liebe Claudia,
    das ist ja ein Wahnsinnspost, so klasse. Danke. Lotta ist vor Freude hin und hergehüpft, sie hat sich wirklich gefreut. Einfach nur wunderbar ohne viel Worte.

    Ganz herzliche Grüße
    Barbara

    AntwortenLöschen

Wenn du mir eine Rückmeldung hinterlassen möchtest, freue ich mich sehr! ♥ DANKE! ♥