Gestern Morgen begann der Tag damit, dass ich meinen Wecker überhört hatte und erschrocken aus dem Bett sprang.
Nach den üblichen morgendlichen Tätigkeiten wollte ich noch schnell einen Blick auf den Balkon werfen.
Zu spät war ich ja nun schließlich sowieso schon dran und - na ja, so
richtig zu spät kommen kann ich eigentlich auch gar nicht - denn wir haben gleitende Arbeitszeit...
Ich spendierte unserer Amselfamilie also erstmal ein Rosinenfrühstück. Sie nahmen dankend an ;o)
Plötzlich stand so ein kleiner Piepling vorn an der Kante...
... und sprang ohne lange Bedenkzeit hinunter auf den Boden des Balkons.
Papa aufgeregt, Mama aufgeregt, Claudia aufgeregt. - Piepling entspannt!
Drei - vier Hüpfer und noch einen Sprung. Schwups, war er ganz unten (wir wohnen im 1. Stock!) auf der Wiese. Papa schaute staunend hinterher.
Tja. Und Nummer zwei? Die guckte etwas sparsam, besann sich dann aber doch und sprang ebenfalls auf den Balkonboden hinab.
Im Gegensatz zu seinem Geschwister war das zweite Küken nicht so zielsicher. Es hüpfte ziemlich lange auf dem Balkon umher. - Und zwar in die falsche Richtung.
Es irrte zwischen den Blumenkübeln herum und unter der Korbsitzbank. Es flatterte unten gegen die Wohnzimmerscheibe, die bis zum Boden reicht. Die Eltern waren sehr nervös, piepsten laut und flogen immer wieder zum Amselkind und zurück aufs Geländer.
Schließlich flatterte der Piepling auf die Lehne der Korbbank, saß dort oben, mit dem Gesicht zur Wand und ruhte ein wenig aus.
Nach der Pause flattert das Kleine über den großen Topf mit der Birke nach vorn und machte Halt auf dem rechten Eckpfeiler meines Balkons. Da stand es nun und schaute nicht mehr zurück...
Hah. Doch! Einen kleinen kurzen Blick kriegte ich - für's Foto ;o)
Nach einer gaaanzen langen Zeit, die es dort verharrte, flog es plötzlich los. Erstaunlich schnell und weit. HALT. Viel zu weit! Es flog nicht, wie das erste Küken direkt nach unten und versteckte sich im Vorgarten, sondern weit fort über die Garagendächer hinweg in Richtung Straße. Es war mir aus dem Blick verschwunden. Oh nein. Wo die Amselmama war, weiß ich nicht. Der Amselpapa saß jedenfalls noch immer bei mir auf dem Balkon.
Ich musste jetzt endlich mal los ins Büro. Hier gab es für mich vorerst nichts mehr zu tun.
Als ich später von der Arbeit nach Hause kam, regnete es und war kalt. Kurz hatte es auf der Rückfahrt sogar gehagelt.
So eine Gemeinheit. Die ganze Zeit hatten wir mildes, trockenes Frühlingswetter und gerade jetzt, wo die Pieplinge ausflogen, war es draußen so ungastlich.
Trotzdem bot sich ein gewohntes Bild. Der Amselpapa saß im Baum, gegenüber dem Balkon und flötete, die Amselmama suchte Würmer im Rasen vor dem Haus.
Aber, kein Küken weit und breit.
Ich betrat den Balkon. Was soll ich euch sagen? Sie kamen sofort. Alle beide Amseleltern fanden sich auf dem Balkongeländer ein.
Sweet home? Vorbei!
Aber es gab noch Rosinen.
Ich war gespannt, was sie damit tun würden.
Selber fressen? Nein! Jeder flog mit 2 Rosinen im Schnabel in eine andere Richtung und verschwand im Gebüsch. Kurze Zeit später tauchten sie wieder auf. Die Schnäbel waren leer!
Mit dem Fotoapparat ging ich nach unten und fand zumindest Nummer 1 gut versteckt zwischen Blättern:
Ach, ich hoffe so, dass sie beide durchkommen. Dass ihnen Katzen, Elstern, Autos, Kälte und Regen ect. nichts anhaben werden.
Und ich hoffe, die Amseleltern kehren zurück, wenn sie die Pieplinge unten nicht mehr füttern müssen und brüten erneut bei uns.
3x hintereinander war im vergangenen Sommer das Nest belegt.
Dies war das Resümee vom vergangenen Sommer:
- 14 Eier hat Mama Amsel (in 2013) insgesamt auf meinem Balkon ins Nest gelegt.
- Beim letzten Gelege ging ihr der Amselpapa verloren.
- 13 Küken sind geschlüpft.
- Von Dreien weiß ich, dass sie nicht überlebt haben...
- Im besten Fall gibt es also zehn junge Amseln, die von hier ins Leben gestartet sind.
- Sehr viel Freude hatte ich an den Amseleltern und ihrem Nachwuchs...
Wer über die letzte der 3 Bruten des Vorjahres nochmal nachlesen möchte, kann das
hier (klick) gerne tun!
Wie mag das Amseljahr 2014 werden? Leer, ruhig und ein wenig traurig ist es jedenfalls ohne Familie Amsel hier...
Herzliche Claudiagrüße