... du brachtest viele Frühblüher, sonnige Tage, zahlreiche Spaziergänge, Kaffee am Balkon.
Am Monatsanfang flog mein Papa in den Urlaub. Ich fand das da schon nicht ganz so glücklich, freute mich jedoch über den Besuch der Whiskykatze.
Wirkliche Sorgen machte ich mir zum Abflugszeitpunkt noch nicht.
Nur weil manche Leute Nudeln und Mehl hamstern, lasse ich mich doch nicht bange machen...
3 Tage später schlossen in Niedersachsen ab 16.3. dann plötzlich die Schulen und diverse Geschäfte.
Die Bevölkerung wurde angehalten, Zuhause zu bleiben.
Meine Yogastunde, die Chorproben, die Exerzitien im Alltag, private Verabredungen wurden abgesagt.
Dienstliche Besprechungen fanden nicht mehr statt, auch im Büro hieß es Abstand halten.
Hygienevorschriften werden nun ganz besonders penibel eingehalten.
Meine Fingerringe bleiben im Kasten, (ich fühle mich immernoch nackt ohne sie) weil sie beim häufigen Händewaschen nerven.
Die Freundin aus der Ferne empfiehlt mir, Arztseife zu benutzen. Nicht, weil die sauberer wäscht, als andere Seife, sondern weil sie die Haut nicht so austrocknet. Ich probiere das sofort, bin begeistert (Danke, liebe K.!) und möchte den Ratschlag auch an euch hier gerne weitergeben.
Ich hamstere. Nein - kein Klopapier. Aber meinen speziellen Kontaktlinsenreiniger, der für mich ziemlich unverzichtbar ist, in der Schweiz produziert wird und schon unter normalen Bedingungen manchmal nicht sofort lieferbar war.
Überall in den Medien hört, sieht und liest man nichts anderes mehr.
Überall reden alle nur noch über Covid-19.
Was ich gerade noch für Panikmache hielt, bestimmt plötzlich unser aller Leben.
Das ist so irreal. Diese Gefahr ist unsichtbar. Irgendwo lese ich den Vergleich zu atomarer Verseuchung, den ich ziemlich passend finde. Das Unheil ist nicht kalkulierbar, wir sind völlig ausgeliefert, können die Bedrohung nicht abwehren und hoffen doch auf naive Weise uns schützen zu können.
Der Liebste und ich treffen uns am Monatsbeginn zunächst trotzdem am Wochenende. Zusammen ist man weniger allein. Wir gehen im Wald spazieren. Am Boden finde ich einen Zettel:
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| Fundstück beim Waldspaziergang . |
Ich wünsche mir auch, dass wir alle gesund bleiben und realisiere im Lauf des Monats ganz langsam:
Das ist nicht selbstverständlich!
Am darauf folgenden Wochenende bleibt der Liebste in seiner Wohnung und ich hier allein.
Durch meine Arbeit habe ich zwangsläufig viel mehr Sozialkontakte, als er. Es ist besser für ihn wir treffen uns erstmal nicht.
Ich entdecke eine Karikatur von Ralph R*uthe (
unbezahlte Werbung ohne Auftrag wegen Namen-/ Markennennung) im Netz.
Zu sehen ist Gott auf einer Wolke. Auf seinem Schoss sitzt eine Katze.
Neben ihm steht Petrus, der beklagt, dass die Welt im Chaos versinkt und Gott nichts tut.
Dieser erwidert, er könnte nichts tun, weil die Katze schläft...
Wer mich kennt, der weiß, ich liebe Katzen - und meine Ma tut das auch.
Wer wiederum Katzen kennt, der weiß, genauso ist es. Man müsste was machen, aber exakt in dem Moment setzt sich die Katze auf den Schoss und schläft ein.
Weil die Karikatur so passend ist, zeige ich das Bild meiner Ma - und erwarte ihr Schmunzeln.
Aber meine Ma (die eine eher skeptische Einstellung zu Gott und zum Glauben hat) antwortet mir:
"Er tut doch was. Er rettet vielleicht gerade die Welt für deine beiden Lieblingssöhne."
Mir fehlen die Worte. So eine Antwort hätte ich von ihr nie erwartet.
Das gibt mir zu denken.
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Besuch der Whiskykatze und Abschied von der Lindenstraße (Werbung wegen Markennennung)
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Tatsächlich ist ja bekanntlich nichts so schlecht, als dass sich nicht doch auch etwas Gutes daran entdecken ließe:
Dank Corona geht die Umweltverschmutzung zurück. Meldungen tauchen auf, dass sich Tiere ihre ursprünglichen Lebensräume zurückerobern.
Dank Corona finden Menschen neue Wege, sich anders miteinander zu verbinden. Eltern und Kinder verbringen viel Zeit miteinander, eine Welle von Hilfsbereitschaft kommt auf.
Viele Menschen entschleunigen und überdenken ihre Werte neu.
ABER WELCHEN PREIS kostet uns diese positive Veränderung?
Viele Menschen werden ihr Leben lassen.
Ich sorge mich weniger um mich selbst, als um meine Lieben.
Ich bin so froh, dass meine Söhne erwachsen sind und ihre eigenen Entscheidungen treffen. Dass ihr Wohl und Wehe nicht mehr in meiner Verantwortung liegt, ich nicht meinen kleinen Kindern erklären muss, was ich selbst nicht begreifen kann.
Aber ich sorge mich um die Beiden. In ihnen und für sie schlägt mein Herz. Ihnen soll die Zukunft gehören. Hoffentlich bleiben sie gesund!
Hoffentlich bleiben meine Eltern gesund, die - genau wie die Ma des Liebsten - allein durch ihr Alter zur Risikogruppe gehören.
In meinem nahen Umfeld gibt es Menschen mit Vorerkrankungen. Hoffentlich bleiben sie gesund!
HOFFENTLICH BLEIBEN SIE
ALLE GESUND.
HOFFENTLICH BLEIBT IHR ALLE, DIE IHR DAS LEST, bleibt der Mensch, der den Zettel geschrieben hat, bleiben wir alle GESUND - oder werden es zumindest wieder!
Aber wäre es realistisch, davon wirklich auszugehen?
Wenn jemand aus meiner Familie durch das Virus erkranken sollte, dann ist womöglich die medizinische Versorgung nicht genügend gesichert. Vielleicht gibt es keine Beatmung, keine Pflege, keine Paliativmedizin.
Und wenn jemand in der Folge stirbt, dann werde ich nicht in die Klinik dürfen und sie oder ihn auf diesem Weg begleiten, wenigstens die Hand halten können.
Dieses Wissen ist furchtbar. Das Entsetzen darüber lähmt mich.
Menschen haben plötzlich von heute auf morgen wegen staatlicher Vorgaben und Ausgangsbeschränkungen kein Einkommen mehr. Ihre Existenz ist bedroht und die der Familien.
Soziale Vereinsamung greift um sich. Nicht jeder hält das aus.
Wie lange können wir die Ausgangsbeschränkungen durchhalten? Wie lange wird die Bereitschaft in der Bevölkerung dazu fortbestehen?
Was wird werden?
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| Gottesdienst aus unserer Kirche - via Live- Stream Zuhause auf meinem Fernseher |
Seit gestern arbeite ich im Home- Office und vermisse bereits nach dem ersten Tag meine Kolleginnen. Gemeinschaft trägt, schafft zumindest die Illusion von Normalität.
Kommende Woche habe ich Urlaub. - Wofür?
Es gibt nichts vorzubereiten. Dieses Jahr wird es keine Familienfeier und auch keine Kirchgänge geben.
In nicht mal 2 Wochen ist Ostern, aber in mir finde ich gerade so gar keinen Raum dafür.
Ich konnte mich den ganzen Monat nicht entschließen hier zu posten.
Mir ist die Lust vergangenen, zu basteln oder das Sonntagsessen zu zeigen.
Das bedeutet nicht, dass es keines gab, ich den Frühling still für mich nicht doch genossen habe.
Ich fühle mich gerade außerstande, seicht zu plaudern und so zu tun, als wäre alles wie immer.
Denn das ist, was in diesem Jahr vom März übrig bleibt.
Das Wissen, dass nichts wie immer ist, es womöglich nie wieder so sein kann. (Und dann gestern auch noch Schneeregen)-:
März ADIEU!