Vergangenen Sonntag am späten Mittag:
mit Sack und Pack verlasse ich meine Wohnung um zum Liebsten zu fahren, der bei sich Zuhause bereits unser Mittagessen vorbereitet.
Nach ein paar Schritten in Richtung Garage sehe ich ihn. Ein großer Igel kommt taumelnd direkt auf mich zugelaufen.
Oh nein seuftze ich innerlich, denn ich weiß, Igel sind nachtaktiv und schlafen normaler Weise tagsüber. Trifft man sie am hellerlichten Tag, ist das gar kein gutes Zeichen - und ein taumelnder Gang ist es erst recht nicht.
Ich bleibe stehen und stelle mein Gepäck ab. Der Igel läuft direkt bis vor meine Füße. Dort bleibt er sitzen. (Ja Kirsten, ich weiß schon. Sag jetzt nichts! ;o)
Ich hocke mich zu ihm und schaue genau. Er ist nicht mager, hat aber verklebte Augen und weißliches Sekret kommt aus seiner Nase. Er atmet schnaufend. Fliegen umschwirren ihn und haben bereits viele Eier in seiner linken Ohrmuschel abgelegt. (Das ist nicht nur eklig, sondern vor allem wirklich schlimm. Wenn die Maden erst aus den Eiern schlüpfen, fressen sie das Gewebe ihres Wirts auf. Man kann sich vorstellen, wie schmerzhaft das sein muss. Außerdem verursacht es natürlich im Körper große Schäden.) Der Igel rollt sich nicht ein, wie er es relexartig tun sollte. Das alles sind deutliche Zeichen: es geht ihm schlecht.
Keine Frage, diesen armen Kerl kann ich unmöglich seinem Schicksal überlassen! Der Liebste muss warten. Zuerst rufe ich ihn an und gebe über meine Verspätung Bescheid, dann mache ich das Foto ...
... und packe ich den Igel ein.
Euch möchte ich bitten: schaut nicht weg, wenn ihr ein hilfsbedürftiges Tier findet!
(Nehmt aber auch nicht jedes Fundtier einfach mit. Igel z. B. unterliegen dem Naturschutzgesetz. Man darf sie nur unter ganz bestimmten Umständen und auch nur vorübergehend aufnehmen. Es gibt dazu im Netz gute informative Websites.)
Es ist nicht der erste hilfsbedürftige Igel, den ich finde und ich habe bereits etwas Erfahrung. Auch wenn die vorherigen Male schon länger her sind weiß ich, die Behandlung von Igeln ist sehr speziell.
Viele Tierärzte kennen sich mit diesem Wildtier nicht wirklich aus.
Nach bestem Wissen und Gewissen leiten sie eine Behandlung ein, die geschwächten und kranken Igeln eher schadet als nutzt.
Hier in der Gegend gibt es ein Igelzentrum...
Nach einigem Hin und Her bin ich dort, kann den Igel in Obhut geben. Ein Glück, ich bin erleichtert. Nun ist er gut aufgehoben!
Ich fülle ein Formular mit meinen Daten und den Umständen des Auffindens aus. Der Igel - es ist ein männliches Tier, bekommt die N° 294120 - und ich etwas später beim Liebsten endlich Mittagessen.
Nach drei Tagen rufe ich im Igelzentrum an und erkundige mich, wie es meinem Findling geht.
Ich erfahre, dass er schlecht frisst, was aber zunächst nicht weiter schlimm ist, weil er trotzdem stolze 1200g wiegt. Das ist ein ziemlich gutes Gewicht.
Trotzdem ist er leider sehr krank, er braucht Medikamente und Pflege.
Vermutlich wird er den Winterschlaf im Igelzentrum verbringen müssen und hoffentlich kann er dann im Frühling wieder ausgewildert werden. Bitte drückt ihm die Daumen!
Ich werde berichten.
Auch wenn dieses Posting nur ein Foto enthält und selbst das nicht "schön" im optischen Sinne ist, verlinke ich den Beitrag zu Juttas Naturdonnerstag - klick - (Werbung wegen Verlinkung), denn Natur und Naturschutz ist, um was es hier geht.
Außerdem setze ich mich mit dem Erlebnis zum Samstagsplauch - klick - zu Andrea (Werbung wegen Verlinkung).





