... dann kann er was erzählen, so sagt man - und tatsächlich ist das verlängerte vergangene Wochenende dazu das beste Beispiel!
Ans Meer wollten der Liebste und ich, dachten zunächst an Cuxhaven (dieses Posting enthält mehrfach unbeauftragte Werbung aufgrund von Orts- und Namensnennungen bzw. weil Marken erkennbar sein können. - Aber: alles selbst bezahlt!), wo wir bereits 2015 (klick) und 2016 (klick) unseren Valentinstag verbrachten. Dass die Reisen gerade auf den Valentinstag fielen, war übrigens mehr Zufall als Absicht. Eigentlich ist uns dieses Datum gar nicht wichtig, wohl aber der Aspekt, im winterlichen Februar eine kleine Auszeit, einen Lichtblick im Alltag zu haben.
Bei der Suche nach einer Unterkunft, kam uns der Gedanke, diesmal nach Helgoland zu reisen. Ein Ort, der auf meiner innerlichen Wunschliste ziemlich weit oben rangierte und den ich gern im Winter, abseits der Hauptreisezeit kennen lernen wollte.
Je näher das Reisedatum rückte, desto nervöser wurden wir, denn Sturmtief Sabine (klick) sorgte dafür, dass der Fährverkehr zur Insel über mehrere Tage eingestellt wurde...
Noch am Mittwoch fuhr die Fähre nicht, wir hingegen abends durch Gewitter und Hagel auf der Autobahn zunächst nach Cuxhaven, wo wir die erste Nacht verbrachten.
Wir hatten Glück! Am Donnerstag nach dem Frühstück ging es aufs Schiff. Die Fähre fuhr wieder und nach etwas mehr als 2 Stunden lagen 70 km auf der Nordsee hinter uns und wir erreichten Helgoland.
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| Unten links der Blick aus dem Fenster unseres Hotelzimmers auf Düne und Hafen |
Das Wetter am Ankunftstag war eher bescheiden. Grau in grau empfing uns die Insel und fieser Niesel ging rasch in strömenden Regen über.
Wir bummelten etwas herum, stellten fest, dass 3/4 aller Geschäfte, Cafés und Restaurants z. Zt. geschlossen waren, bezogen unser Hotelzimmer im Oberland. Für den Liebsten entpuppte sich der Supergau: er interessiert sich sehr für Seenotrettungskreuzer und in Helgoland ist eigentlich die Hermann Marwede, der weltweit größte Rettungskreuzer, stationiert. Ratet, warum wir unser Hotelzimmer mit Blick zum Hafen gewählt hatten - und ratet, was dort nicht zu sehen war...
Der Liebste fand heraus, dass sich das Boot aktuell in Cuxhaven befindet. So ein Pech!
Zum Trost gingen wir abends lecker essen und nicht so spät schlafen, denn der Tag war doch ganz schön anstrengend gewesen und für den nächsten war zudem deutlich besseres Wetter angekündigt.
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| Bunte Hummerbuden auf dem Weg vom Hafen zum Ort und sonnig- gelbe Ginsterblüten |
Am nächsten Morgen, nach einen ausgiebigen Frühstück setzten wir zur Düne über (das dauert nur ein paar Minuten) und freuten uns über ruhige See, klaren Himmel, wenig Wind und zeitweise sogar über Sonnenschein. Perfekt!
Die Mission finde eine Wellhornschnecke startete und endete für diese Reise gleichzeitig mit den ersten Schritten am Strand. Ich war im 7. Himmel. (Und nein, ich habe die nicht alle mitgenommen. Es geht mir dabei nämlich um finden, nicht um besitzen!)
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| Im 7. Wellhornschneckenhimmel ♥ |
Auf der Düne vor Helgoland sind Kegelrobben heimisch. Dass man ihnen hier in freier Natur begegnen kann, war der Hauptgrund, warum ich so gerne auf die Insel kommen wollte. Aber Achtung: das sind keine Kuschel- sondern Raubtiere! Mindestens 30 Meter Abstand soll man - zum eigenen Schutz und zum Schutz der Tiere - von ihnen halten.
Weil es schwierig ist, diese Entfernung abzuschätzen, konnte man sich an Schildern orientieren.
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| Vom Leuchtturm auf der Helgoländer Düne war es nicht mehr weit bis zu den ersten Robben |
Ich habe drölfzigtausend Fotos geschossen, konnte einfach nicht genug bekommen und vor lauter Glück gar nicht mehr aufhören zu grinsen. Welch ein Geschenk, diesen wundervollen Tieren hier begegnen zu dürfen. Wir spazierten über die Düne, ließen uns viel Zeit und immer wieder holte ich die Kamera aus der Tasche.
Der Liebste wiederum fotografierte nicht nur die Robben - öhöm - sondern auch mich.
Manchmal schien es, als posierten die Tiere regelrecht vor der Kamera, um sich ins rechte Licht zu setzen ;o)
Robben lagen überall im Sand und in der Brandung, schwammen im seichten Wasser, waren zu vielen, zu zweit oder ganz allein unterwegs. Auch Jungtiere waren mit dabei. Die Robbenmütter kommen im Winter nach Helgoland, um dort auf der Düne zwischen November und Februar ihre Jungtiere zur Welt zu bringen. Wir waren also schon ziemlich am Ende dieser Saison dort.
Das Kleine von den beiden unteren Bildern lag gut getarnt zwischen großen Steinen einer Buhne, während seine Mutter vermutlich im Meer auf Futtersuche unterwegs gewesen ist. Ich sah das Baby, das nur ungefähr 60 cm kurz war, erst sehr spät und war schon viel zu nah heran. Rasch zog ich mich zurück um die kleine Grinsekatze nicht zu ängstigen und machte erst aus ausreichender Ferne meine Fotos. Zum Glück hat die Kamera einen guten Zoom.
Müde und ausgepowert stiegen wir schließlich ins nächste Boot und kehrten der Düne den Rücken.
Das Wetter am 3. Tag war gleich morgens schon deutlich windiger und durchwachsener, als zuvor. Wir wollten unbedingt trotzdem den Klippenrandweg entlang zum Helgoländer Wahrzeichen, der Langen Anna laufen. Aus Gründen ging ich vor dem Liebsten los und zwar rechts herum über den Rundweg, während er etwas später links herum startete.
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| Fliegen ohne Besen... an der Steilküste ;o) |
Bald begann es nicht nur zu regnen, sondern auch richtig heftig zu stürmen. Zum Schutz meiner windempfindlichen Augen setzte ich trotz des grauen Wetters die Sonnenbrille auf. Das Wetter war der Wahnsinn. Der Sturm riss mir während des Laufens fast die Beine weg. Diese gigantische Naturgewalt war auf ganz besondere Weise faszinierend und schön.
Inzwischen war auch der Liebste hier angekommen.
Wir entdeckten die Kolonie der Basstölpel in den Felsen an der Steilküste. Den Vögeln machte das Wetter scheinbar gar nichts aus, aber mir war es fast unmöglich, die Kamera ruhig zu halten und so sind leider viele der Bilder verwackelt.
Wir hatten bereits vorher davon gehört und waren dennoch beim Anblick sehr entsetzt: die Vögel bauen seit einigen Jahren ihre Nester aus Pastikabfällen. Vorwiegend schien es sich wohl um Nylonschnüre und Netze aus der Fischerei zu handeln.
Zum Teil verfangen sich die Tiere - und später dann auch die Küken darin, kommen nicht mehr los und verhungern oder strangulieren sich. Einfach schrecklich.
Wieder im Ort angekommen, entdeckte ich das doppelte Glück: ein Schuhgeschäft, in dem mitten darin auf einem Sessel ein Kater thronte! Ich schwöre, ich wollte gar nicht nach Schuhen schauen. Aber die Chance, die Miez zu streicheln, konnte ich mir doch nicht entgehen lassen?! ;o)
Wir aßen leckerste Pizza zum Abend und marschierten im Schein des Leuchtturms schließlich zurück in unser Hotel. Was für ein schöner Abschluß unseres tollen Kurzurlaubs!
Für den nächsten Tag - unseren Abreisetag - war Sturmtief Viktoria angekündigt. Oh weh!
Um 10:30 mussten wir im Hotel auschecken. Unser Gepäck wurde zum Glück abgeholt und direkt zum Schiff gebracht. Wir liefen zu Fuß zum Hafen. Ab 12 Uhr konnte man auf die Fähre.
Mir fehlen fast die Worte, das Wetter zu beschreiben. Wir waren nass bis auf die Haut und vom Sturm völlig durchgepeitscht. Es herrschte Windstärke 11 (~90 km/h).
Später Zuhause entdeckte ich im Internet diesen Beitrag - klick - (die Reportage ist inzwischen nicht mehr verfügbar). Den Reporter hatten wir am Hafen stehen sehen und uns noch gewundert, was da wohl bei dem Wetter gefilmt wurde.
Nach 22 Sekunden sieht man im Video ziemlich deutlich, wie unsere Fähre beim Verlassen des Hafenbeckens in den meterhohen Wellen schwankt und schlingert.
Das Oberdeck war abgeschlossen und durfte nicht betreten werden. Die Stimmung war beklommen, vielen Passagieren war speiübel. Aber: wir sind heil zurück gekommen und dieser Urlaub war einfach in vielerlei Hinsicht ein unvergessliches Erlebnis!
Wenn Einer eine Reise tut...
| James Krüss wurde auf Helgoland geboren |










