1973 wurde ich eingeschult. Da sind nicht allzu viele Erinnerungen, an meine erste Zeit in der Schule.
Ich sehe das Klassenzimmer vor mir.
Der Raum hatte keine richtigen Fenster, sondern nur schmale Oberlichter links von meinem Platz in der Klasse. Ich konnte von dort den Himmel sehen.
Ich erinnere mich an meine Klassenlehrerin, die schon älter war. Sie hieß Frau Ehlers und hatte dicke, faltige Finger an denen sie
Ich weiß noch, dass sie uns oft von der Tafel abschreiben ließ. Das habe ich gehasst, denn ich war nicht schnell genug und wurde häufig nicht rechtzeitig fertig. Dann gab es Ärger mit ihr.
Und ich erinnere mich an den Sachkundeunterricht, den ich sehr gern hatte, an den Geruch der frischen (von Hand beschriebenen) Matritzen. Die gibt es wohl inzwischen wahrscheinlich gar nicht mehr.
Wir lernten über die verschiedenen Bäume, ihre Blattformen und Samen und wir lernten über Tiere.
In besonderer Erinnerung geblieben sind mir die Stunden, als wir das Eichhörnchen zum Thema hatten.
Auf dem Friedhof in Berlin, wo meine Uroma begraben ist, lebten viele Eichhörnchen. Sie waren ganz zahm und nahmen mir als kleines Mädchen die mitgebrachten Erdnüsse direkt aus der Hand.
Das kleine, possierliche Tier faszinierte mich also von jeher, mit seinen schwerelos wirkenden Sprüngen, den ungewöhnlichen, keckernden Rufen und dem puscheligen Schwanz.
Am schönsten jedoch fand ich, dass Eichhörnchen in Kobeln hausen. Ich mochte den Klang des Wortes. Kobel. Das klingt doch irgendwie rund, weich, warm: gemütlich!
Seit damals hoffte ich, solch eine Eichhörnchenbehausung mal irgendwo zu entdecken. Leider vergebens...
In der Baumkrone vor dem Fenster unseres Essplatzfensters nisteten im vergangenen Sommer Elstern. Ein großes Nest hatten sie weit oben angelegt.
Vergangenen Mittwoch, als ich vormittags überraschend zu Hause war und beim Frühstück saß, bemerkte ich plötzlich im kahlen Baum eine Bewegung. Ein Eichhörnchen flitzte durchs Geäst und knibbelte an den Moospolstern, mit denen der Baum bewachsen ist.
Geschickt drehte das kleine Tier zwischen den Vorderpfoten aus dem Moos Kugeln...
...die es dann im Maul...
... witsch... eilig nach oben trug, um damit im ausgedienten Elsternest zu verschwinden.
Immer wieder kam es zurück und holte noch mehr Moos.
Ich habe durch die Scheibe fotografiert um nicht zu stören (der Baum steht wirklich nah am Haus) und konnte mich gar nicht satt sehen.
Herzlich willkommen in der Nachbarschaft, du kleiner Freund aus Kindertagen ♥

