Dienstag, 31. März 2020

März adieu


... du brachtest viele Frühblüher, sonnige Tage, zahlreiche Spaziergänge, Kaffee am Balkon.

Am Monatsanfang flog mein Papa in den Urlaub. Ich fand das da schon nicht ganz so glücklich, freute mich jedoch über den Besuch der Whiskykatze.
Wirkliche Sorgen machte ich mir zum Abflugszeitpunkt noch nicht.
Nur weil manche Leute Nudeln und Mehl hamstern, lasse ich mich doch nicht bange machen...

3 Tage später schlossen in Niedersachsen ab 16.3. dann plötzlich die Schulen und diverse Geschäfte.
Die Bevölkerung wurde angehalten, Zuhause zu bleiben.
Meine Yogastunde, die Chorproben, die Exerzitien im Alltag, private Verabredungen wurden abgesagt.
Dienstliche Besprechungen fanden nicht mehr statt, auch im Büro hieß es Abstand halten.
Hygienevorschriften werden nun ganz besonders penibel eingehalten.

Meine Fingerringe bleiben im Kasten, (ich fühle mich immernoch nackt ohne sie) weil sie beim häufigen Händewaschen nerven.
Die Freundin aus der Ferne empfiehlt mir, Arztseife zu benutzen. Nicht, weil die sauberer wäscht, als andere Seife, sondern weil sie die Haut nicht so austrocknet. Ich probiere das sofort, bin begeistert (Danke, liebe K.!) und möchte den Ratschlag auch an euch hier gerne weitergeben.
Ich hamstere. Nein - kein Klopapier. Aber meinen speziellen Kontaktlinsenreiniger, der für mich ziemlich unverzichtbar ist, in der Schweiz produziert wird und schon unter normalen Bedingungen manchmal nicht sofort lieferbar war.


Überall in den Medien hört, sieht und liest man nichts anderes mehr.
Überall reden alle nur noch über Covid-19.

Was ich gerade noch für Panikmache hielt, bestimmt plötzlich unser aller Leben.

Das ist so irreal. Diese Gefahr ist unsichtbar. Irgendwo lese ich den Vergleich zu atomarer Verseuchung, den ich ziemlich passend finde. Das Unheil ist nicht kalkulierbar, wir sind völlig ausgeliefert, können die Bedrohung nicht abwehren und hoffen doch auf naive Weise uns schützen zu können.


Der Liebste und ich treffen uns am Monatsbeginn zunächst trotzdem am Wochenende. Zusammen ist man weniger allein. Wir gehen im Wald spazieren. Am Boden finde ich einen Zettel:


Fundstück beim Waldspaziergang .

Ich wünsche mir auch, dass wir alle gesund bleiben und realisiere im Lauf des Monats ganz langsam:
Das ist nicht selbstverständlich!

Am darauf folgenden Wochenende bleibt der Liebste in seiner Wohnung und ich hier allein.
Durch meine Arbeit habe ich zwangsläufig viel mehr Sozialkontakte, als er. Es ist besser für ihn wir treffen uns erstmal nicht.

Ich entdecke eine Karikatur von Ralph R*uthe (unbezahlte Werbung ohne Auftrag wegen Namen-/ Markennennung) im Netz.
Zu sehen ist Gott auf einer Wolke. Auf seinem Schoss sitzt eine Katze.
Neben ihm steht Petrus, der beklagt, dass die Welt im Chaos versinkt und Gott nichts tut.
Dieser erwidert, er könnte nichts tun, weil die Katze schläft...

Wer mich kennt, der weiß, ich liebe Katzen - und meine Ma tut das auch.
Wer wiederum Katzen kennt, der weiß, genauso ist es. Man müsste was machen, aber exakt in dem Moment setzt sich die Katze auf den Schoss und schläft ein.
Weil die Karikatur so passend ist, zeige ich das Bild meiner Ma - und erwarte ihr Schmunzeln.
Aber meine Ma (die eine eher skeptische Einstellung zu Gott und zum Glauben hat) antwortet mir:
"Er tut doch was. Er rettet vielleicht gerade die Welt für deine beiden Lieblingssöhne."

Mir fehlen die Worte. So eine Antwort hätte ich von ihr nie erwartet.
Das gibt mir zu denken.


Besuch der Whiskykatze und Abschied von der Lindenstraße (Werbung wegen Markennennung)


Tatsächlich ist ja bekanntlich nichts so schlecht, als dass sich nicht doch auch etwas Gutes daran entdecken ließe:
Dank Corona geht die Umweltverschmutzung zurück. Meldungen tauchen auf, dass sich Tiere ihre ursprünglichen Lebensräume zurückerobern.
Dank Corona finden Menschen neue Wege, sich anders miteinander zu verbinden. Eltern und Kinder verbringen viel Zeit miteinander, eine Welle von Hilfsbereitschaft kommt auf.
Viele Menschen entschleunigen und überdenken ihre Werte neu.

ABER WELCHEN PREIS kostet uns diese positive Veränderung?
Viele Menschen werden ihr Leben lassen.

Ich sorge mich weniger um mich selbst, als um meine Lieben.

Ich bin so froh, dass meine Söhne erwachsen sind und ihre eigenen Entscheidungen treffen. Dass ihr Wohl und Wehe nicht mehr in meiner Verantwortung liegt, ich nicht meinen kleinen Kindern erklären muss, was ich selbst nicht begreifen kann.
Aber ich sorge mich um die Beiden. In ihnen und für sie schlägt mein Herz. Ihnen soll die Zukunft gehören. Hoffentlich bleiben sie gesund!
Hoffentlich bleiben meine Eltern gesund, die - genau wie die Ma des Liebsten - allein durch ihr Alter zur Risikogruppe gehören.
In meinem nahen Umfeld gibt es Menschen mit Vorerkrankungen. Hoffentlich bleiben sie gesund!

HOFFENTLICH BLEIBEN SIE ALLE GESUND.
HOFFENTLICH BLEIBT IHR ALLE, DIE IHR DAS LEST, bleibt der Mensch, der den Zettel geschrieben hat, bleiben wir alle GESUND - oder werden es zumindest wieder!

Aber wäre es realistisch, davon wirklich auszugehen?

Wenn jemand aus meiner Familie durch das Virus erkranken sollte, dann ist womöglich die medizinische Versorgung nicht genügend gesichert. Vielleicht gibt es keine Beatmung, keine Pflege, keine Paliativmedizin.
Und wenn jemand in der Folge stirbt, dann werde ich nicht in die Klinik dürfen und sie oder ihn auf diesem Weg begleiten, wenigstens die Hand halten können.
Dieses Wissen ist furchtbar. Das Entsetzen darüber lähmt mich.

Menschen haben plötzlich von heute auf morgen wegen staatlicher Vorgaben und Ausgangsbeschränkungen kein Einkommen mehr. Ihre Existenz ist bedroht und die der Familien.
Soziale Vereinsamung greift um sich. Nicht jeder hält das aus.

Wie lange können wir die Ausgangsbeschränkungen durchhalten? Wie lange wird die Bereitschaft in der Bevölkerung dazu fortbestehen?

Was wird werden?


Gottesdienst aus unserer Kirche - via Live- Stream Zuhause auf meinem Fernseher

Seit gestern arbeite ich im Home- Office und vermisse bereits nach dem ersten Tag meine Kolleginnen. Gemeinschaft trägt, schafft zumindest die Illusion von Normalität.
Kommende Woche habe ich Urlaub. - Wofür?
Es gibt nichts vorzubereiten. Dieses Jahr wird es keine Familienfeier und auch keine Kirchgänge geben.
In nicht mal 2 Wochen ist Ostern, aber in mir finde ich gerade so gar keinen Raum dafür.

Ich konnte mich den ganzen Monat nicht entschließen hier zu posten.
Mir ist die Lust vergangenen, zu basteln oder das Sonntagsessen zu zeigen.
Das bedeutet nicht, dass es keines gab, ich den Frühling still für mich nicht doch genossen habe.

Ich fühle mich gerade außerstande, seicht zu plaudern und so zu tun, als wäre alles wie immer.
Denn das ist, was in diesem Jahr vom März übrig bleibt.
Das Wissen, dass nichts wie immer ist, es womöglich nie wieder so sein kann. (Und dann gestern auch noch Schneeregen)-:


März ADIEU!



13 Kommentare:

Claudia hat gesagt…

Guten Morgen liebe Claudia,
danke, daß Du diesen Post dennoch geschrieben hast!
Der Fundzettel im Wald hat mich unter anderem sehr berührt!
Hab trotz allem einen schönen und guten Tag!
♥️ Allerliebste Grüße, paß gut auf Dich auf und bleib gesund,Claudia ♥️

Sheepy hat gesagt…

Dieser März wird uns wohl alle unvergesslich bleiben. Ungewissheit und Ängste kommen mit in den April und wohl auch in andere Monate ...
Wir können uns aber an und über viele kleine Dinge er/freuen, Sonne, Frühling, Natur, etwas mehr gemeinsame Zeit...
Bleib schön gesund!!!
Liebe Inselgrüße
Kerstin

Jani hat gesagt…

Liebe Claudia ,
du sprichst mir aus der Seele . Da kommt so viel zusammen .
Das kann an Keinem spurlos vorüber gehen . Ich dachte
mittlerweile auch , nein das ich sowas erleben muss . Und zur
Risikogruppe und den Menschen zu gehören , die zur Arbeit
müssen , tuen auch nochmal ihren Teil .
Du auch ? Alles geht mal zu Ende , so auch die Lindenstraße .

Wir müssen da durch ! Pass auf dich auf .
Und auch ich wünsche mir , das es bei Keinem zum
Schlimmsten kommt .
Viel Kraft und Gesundheit .
Liebe Grüße JANI

Nostalgie-Fee hat gesagt…

Liebe Claudia,
ja,auch bei mir sind diese GEdanken ständig da. Und dann kommt noch dazu, dass es die Kinder natürlich nicht verstehen. Mein Kleiner ist zurzeit sooo anhänglich und als ich ihn gefragt habe, was los ist, meinte er, er hat so Angst wegen Corona. So arm und ich kann ihn verstehen. wie soll er das alles begreifen, wo man es doch selber nicht begreifen kann.
Deswegen haben wir uns jetzt ein bisschen abgelenkt und viele bunte Sachen für ein Altenheim gebastelt.
Wir müssen durch und werden es schaffen. Hoffen wir, dass alle gesund bleiben.
Alles Liebe
TAnja

Nana hat gesagt…

Und für mich ist die Coronazeit eine Zeit wie jede andere, denn ich muß raus, ich muß arbeiten, ich kann nicht zuhause bleiben. Ich hole nach meinem späten Feierabend die Tagesschau aus der Mediathek nach und bin dankbar für diesen Fortschritt. Ich genieße jedoch die Zeit mit meinen Töchtern, wenn ich denn mal frei habe und wir - wie heute - morgens gemeinsam Gassi gehen und zum Markt und dann zuhause frühstücken.
Die große Coronawelle kommt erst noch und ich denke, einige werden wir nicht wieder sehen, ist diese Welle vorbei. Wir sind eben ohnmächtig, was dieses Virus betrifft und bis wir etwas in der Hand haben dagegen, werden noch viele Monate vergehen.
Aber so klug sind die Menschen nun doch nicht. Sie werden nachlässig, sie ärgern sich, von Besinnung keine Spur. Ich erkläre hingegen meinen Töchtern, daß wir nach Corona den lokalen Einzelhandel unterstützen müssen und als ich heute fragte, ob wir zu diesem Bäcker gehen wollen, meinte meine Kleine: "Nö, laß uns diesen Lokalen unterstützen, das andere ist eine große Kette." Gutes Kind, sie hat´s verstanden.
Mein Mann und ich haben auch Kontaktsperre, das Gespräch mit ihm fehlt mir aber.

Eines ist aber gewiß: es wird eine Zeit nach Corona geben, die wieder voller Leben steckt und weil das sicher ist, sollten wir alle ein bisschen zufriedener mit dem was wir haben sein und uns weiterhin zurückziehen.

Bleib gesund.

Nana

eSTe hat gesagt…

Liebe Claudia, ein sehr nachdenklicher Post und zu Recht gehen uns allen tausend sorgenvolle Gedanken durch den Kopf. Ist schon merkwürdig und kaum zu realisieren, dass es weltweit so ist. Lasst uns versuchen im Moment zu leben, wir werden das mit viel Mut und Kraft hinter uns bringen, lasst uns die jetzt im Frühling sprießenden Pflanzen genießen, die Vögel, die schon eifrig mit dem Brüten beschäftigt sind. Es wird schon wieder.
LG eSTe

niwibo hat gesagt…

Liebe Claudia,
sicher, die Zeit ist nicht schön, es ist beängstigend, weil wir alle nicht wissen, was auf uns zukommt.
Aber deswegen den Kopf in den Sand stecken, die kleinen, schönen und alltäglichen Dinge nicht mehr genießen?
Nein, ich bin der Meinung, gerade jetzt ist es wichtig, all das zu genießen, was sonst im normalen Alltag untergeht.
Und ja, auch posten, denn gerade jetzt ist es wichtig, nicht nur die Corona Nachrichten zu lesen sondern auch ganz banales, ein schönes Rezept, eine gute Buchvorstellung, alles, was ein wenig das Gedankenkarussel stoppen kann.
Also, denk mal drüber nach und sei lieb gegrüßt
Nicole

Bienenelfe Kerstin hat gesagt…

Alles Gute liebe Claudia und ja, mich lähmen die Nachrichten auch. Bleib gesund.

Alles Liebe
Kerstin

Elkes Lebensglück hat gesagt…

Liebe Claudia
ich denke auch vieles udn doch es hilft nicht weiter also so lebe ich wie ich mich und andere sicher fühlen mit all den Regeln.
Hoffen dass alles gut wird und abwarten das beste draus machen.
Es ist wirklich nicht einfach!
Ich wünsche dir alles gute und dass du gesund bleibst und deine Familie!
Lieben Gruss Elke

amselgesang hat gesagt…

Liebe Claudia, ja,es ist ein eigenartiges Nebeneinander von Frühlingsfreude und Sorgen um Familie und Freunde. Ist denn dein Vater noch rechtzeitig nach Hause gekommen? Geht es ihm gut?
Ostern nicht so wie sonst feiern zu können, wird mir auch sehr fehlen. Und das Singen im Chor tut es natürlich auch... Aber stell dir vor, wie schön es werden wird, wenn das alles wieder möglich ist! Und wie wir es noch viel mehr als bisher schätzen werden.
Herzliche Grüße, bleib gesund und behütet!
Brigitte

Elfenrosengarten hat gesagt…

Liebe Claudia,
ein guter Post zu diesen Zeiten.
Man kann alles so schwer in Worte fassen und die Gedanken
überschlagen sich. Meine Eltern wollte ich vor zwei Wochen besuchen und durfte nicht mehr. Aber wir sind dank meines Mannes (der das alles bei ihnen eingerichtet hat) ständig per Video verbunden. Es ist ein wenig mehr als nichts. Sie gehören halt zur Hochrisikogruppe. Ich darf gar nicht dran denken, dass ich sie nicht noch mal umarmen dürfte. 350 km zwischen uns. Zum Glück sind da die Kinder und lenken sehr ab - gerade ist der Kleine (unser Zweitklässler) am lamentieren, dass er für heute einfach keine Lust mehr für Mathe hat :-)
Ganz viele liebe Grüße von Urte
und bleibt gesund!

Valomea hat gesagt…

Liebe Claudia,
mir ist es auch beim Schreiben des Märzpostings so gegangen: die Gelähmtheit, die Sorge um die Lieben, das Surreale ist mit Macht vor mir aufgestiegen. Im täglichen Vielarbeitswahnsinn gelingt es mir besser, es ein bisschen in den Hintergrund zu drängen, erst abends vor der Tagesschau, den Diskussionen und den neuen Zahlen schlägt es wieder auf und lässt mich am Ende nicht schlafen. Aber mutlos sollten wir nicht werden! Ich sehe es als eine Prüfung, die ich bestehen soll. Und die Worte meiner 82jährigen Mutter beruhigen mich, die meint, sie möchte ganz bestimmt nicht beatmet werden, wenn es soweit ist...
Bleib behütet und bewahrt!
Elke

Babajeza hat gesagt…

Na ja. Nach vielen Berichten (nicht in den Mainstream Mediean) bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit wegen Corona sterbens krank zu werden, sehr gering ist. Die Zahlen sind nicht aussagekräftige, denn je mehr Tests, je mehr Corona Infizierte. Prozentual sind das jedoch gleichviele. Von Land zu Land Vergleiche zu ziehen, ist auch schwierig, weil nicht alle gleich testen und die Testresultate nicht gleich aufschreiben. An Corona gestorben ist nicht das Gleiche wie mit Corona gestorben.

Das Beispiel ist die Schweiz: mein Schwiegervater in Kanada meinte, es sei ja sehr übel in der Schweiz, so viele Kranke, so viele Tote. Dabei sind die Spitäler leer, Ärzte und Pflegepersonal haben Kurzarbeit (weil man in Erwartung der grossen Welle, Operationen abgesagt hat und eh niemand mehr zum Arzt geht). Eine Ausnahme mag der Kanton Tessin sein.

Mir macht Angst, dass gerade die Wirtschaft an die Wand gefahren wird. Wenig Güter, viel Geld (ohne Gegenwert gedruckt oder als Pluszahl auf dem Konto verbucht), das kann nicht gut gehen. 10 Millionen Arbeitslose in den USA wegeb Corona, lese ich.

Das Ende vom Kapitalismus, aber das war ja sowieso nur eine Frage der Zeit.

Wir werden sehen.

Alles Liebe dir!

Regula

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