Der Sommer ist vorüber und ich liebe die Farbenpracht, die der Herbst mit sich bringt.
Lila- bzw. Beerentöne gehören unbedingt dazu, satte Grünschattierungen- und natürlich Kürbisorange. Gern auch das alles zusammen ein wenig miteinander vermischt.
Von Carmen kaufte ich im vergangenen Jahr einen handgefärbten Strang Wolle mit dem klangvollen Namen "Herbstlicht". Leider ist ihr Dawanda Lädchen inzwischen geschlossen.
So ein schönes Garn! Ich war schwer begeistert, als das Päckchen hier ankam, denn die Farben waren in Wirklichkeit noch viel schöner, als anhand der Fotos erwartet.
Meine Ma half mir netter Weise beim Wickeln und dann strickte ich gleich los. Armstulpen sollten es werden. - Was sonst? ;o)
Irgendwie verzögerte sich das Strickprojekt. Im Herbst 2016 trug ich meine Stulpen nicht mehr, obwohl sie fertig waren. Jedenfalls bis auf die Fäden, die es noch zu vernähen galt...
Ende August 2017, zu Beginn meines Urlaubs raffte ich mich endlich auf, die Fäden doch mal zu verstechen und nahm anschließend die Stulpen mit nach Borkum, um dort davon Fotos zu machen.
Am alten Leuchttum - dem ältesten Bauwerk und Wahrzeichen der Insel - schien mir dafür ein geeignetes Plätzchen zu sein, denn auf dem Gelände blühte rundherum der Sonnenhut in den schönsten Farben vor fast wolkenlosem Himmel. Diese Farbenharmonie gefiel mir sehr gut.
Direkt an der Stelle des Leuchtturms befand sich früher eine kleine Inselkirche aus dem 15. Jahrhundert. Der (damals niedrigere) Kirchturm diente bei Tageslicht als Orientierungszeichen für die Seefahrer. Die Kirche ist leider nicht erhalten.
Der Turm wurde zunächst erhöht und später dann auch mit einem Leuchtfeuer ausgestattet. Das war 1817. Die Befeuerung erfolgte mit einer Öllampe.
1879 brannte der Turm unglücklicher Weise vollständig aus. Der neue Borkumer Leuchtturm wurde erbaut und der alte schließlich wieder instandgesetzt.
Leider konnten wir den Turm, von dem aus man die gesamte Insel und das Meer überblicken kann nicht besteigen, denn er ist aus Sicherheitsgründen derzeit öffentlich nicht zugänglich.
Wir verbrachten trotzdem länger Zeit auf dem Gelände, denn neben dem Turm befindet sich noch "de Karkhoff", also ein kleiner alter Walfängerfriedhof. Die vorhandenen Gräber sind mit Infotafeln zu den dort bestatteten Personen versehen.
Was mögen diese Menschen für ein Leben gehabt haben, auf so einer kleinen Insel, abgeschnitten vom Rest der Welt? Kaum mehr vorstellbar, in unserer heutigen Zeit, mit ihren technischen Möglichkeiten und unserer Mobilität.
Ein langes Leben war ihr nicht vergönnt, der Frau, deren Grabinschrift hier zu finden ist:
 |
| Geboren 1837, gestorben 1866 |
Der alte Turm und der Friedhof, ein ruhiger Ort mit einer interessanten Geschichte, von dem eine besondere Stimmung ausgeht. Anrührend die Inschriften auf den Gräbern.
"Stark im Glauben und Vertrauen,
klar im Handeln wie im Schauen.
Fromm und freudig, kindlich gut,
war sie deren Staub hier ruht."
Wer mehr Informationen über Leuchtturm, Friedhof und die ehemalige Inselgeschichte haben möchte, dem sei die Seite des Heimatvereines Insel Borkum e. V. ans Herz gelegt
(klick).
Die Armstulpen verbrachten die restliche Zeit unseres Urlaubs in der "Villa Grottig" - unserer Ferienwohnung.
Wir hatten Wetter für kurze Hosen und T- Shirts. Sommerurlaub eben.
Jedenfalls bis zum Mondwechsel, am 6. September. Mittwoch vormittags regnete es, der Wind frischte auf, die See wurde unruhiger und danach war schlagartig Herbst.
Anleitung:
Die Armstulpen sind auf einem Nadelspiel Stärke 3, ausschließlich aus rechten und linken Maschen rund gestrickt.
Das Garn "Herbstlicht" (reine Schurwolle) wog 100 g mit einer Lauflänge von 320 m, die ich nicht aufgebraucht habe.
Den Anschlag von 48 M. auf nur 3 statt der üblichen 4 Nadeln verteilen, also pro Nadel 16 M. = 2 Musterblöcke anschlagen und zur Runde schließen.
Ein Musterblock besteht aus 8 Maschen bzw. ein Mustersatz aus 12 Reihen:
R= rechte Masche, L= linke Masche:
- LRRRRRRR
- LLRRRRRR
- LLLRRRRR
- LLLLRRRR
- LLLLLRRR
- LLLLLLRR
- LLLLLLLR
- LLLLLLRR
- LLLLLRRR
- LLLLRRRR
- LLLRRRRR
- LLRRRRRR
Und immer so weiter, bis die Stulpen lang genug geworden sind. Das Muster ist im Grunde ein Selbstläufer ;o)
Fragen oder Verbesserungsvorschläge zur Anleitung sind herzlich willkommen!
Die Länge der Stulpen ist natürlich ganz nach Wunsch variabel!
Meine Armstulpen sind je 7 Mustersätze hoch und damit 20 cm lang.
Nachtrag:
Weil in den Kommentaren danach gefragt wurde - ja ich trage auf den Bildern tatsächlich zwei Paar Stulpen übereinander und reiche hier noch ein Einzelfoto der "Stulpen unter den Stulpen" nach.
Sie sind nicht selbstgemacht, sondern gekauft und aus sehr feinem, luftigen Stoff genäht. Es gibt sie in vielen verschiedenen Farben. Im Sommer finde ich sie toll, zu kurzärmeliger Kleidung.
Aus diesem Grund waren sie auch mit auf Borkum und die Idee, die beiden Paare zu kombinieren, kam ganz spontan.
Wieder zuhause stand ich am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub mal wieder etwas ratlos vor meinem Kleiderschrank und griff schließlich zu einem meiner allerersten selbst gestalten Shirts, nämlich diesem
(klick) Herbstshirt hier.
Gar nicht klar gewesen war mir bis zu diesem Moment, wie perfekt meine neuen Stulpen mit dem
alten Shirt farblich zusammen passen. Welch doppelte Freude
♥!
Verlinkt zu Nicole (
klick)